Auf den Spuren von P-26

brugg Das Rettungs- und Flöknerkorps Brugg ist der Verein der Feuerwehr Brugg und dient primär der Kameradschaftspflege. Ein Höhepunkt des Vereinslebens ist der Korpsausflug.

So dieses Jahr in bescheidenerem Rahmen am vergangenen Samstag, als die Mitglieder nach Rein Rüfenach fuhren, um in die Hunderte von Metern langen Kasematten der Sperre Rein-Roost, des Artilleriewerks A3840, des Centurion-Bunkers A3829 einzudringen. In diesen verzweigten Gängen wurde aber auch ein streng gehütetes nationales Geheimnis bewahrt, bis es 1990 im Kontext der Fichenaffäre bekannt wurde.

Gegen 30 aktive oder nicht mehr aktive Feuerwehrangehörige lernten wieder das Staunen in den verzweigten Gängen, die von 1939 bis 1940 erbaut und 1998 umgebaut worden waren und lange Zeit vor allem als Artilleriewerk zur Sperre des Gebiets Rein-Roost dienten. Weit weniger bekannt war den Besuchern, dass diese ab 1988 das Zentrallager S der geheimen Kaderorganisation Projekt 26 (P-26) enthielten, die den Widerstandswillen in der Schweiz im Fall einer Besetzung sichern wollte.

Entstehung und Hintergründe

Sowohl Urs Ernst als auch Hannes Sommerhalder führten kompetent durch die Anlage und beleuchteten umfassend die Entstehungsgeschichte und die Hintergründe, aber ebenso, welchen konkreten Auftrag Projekt 26 zu realisieren hatte.

Begonnen hat alles 1973 mit der später formulierten Anweisung, im Fall einer Besetzung durch eine fremde Macht in der Schweiz ein geheimes Widerstandsnetz gegen den Aggressor bereitzustellen, die Moral der Bevölkerung zu stützen und den exilierten Bundesrat ein tägliches und umfassendes Lagebild zu vermitteln, damit die schweizerische Souveränität in rechtsstaatlicher Freiheit in den heutigen Grenzen erhalten oder im Worst Case wieder hergestellt werden konnte.

Die Korpsmitglieder aus Brugg erfuhren zudem, dass alles im Rahmen der Gesamtverteidigung damals geheim vollzogen wurde. Organisationsstrukturen und -abläufe sollten im Verborgenen bleiben. Allerdings bestand aus diesen Gründen dafür keine Gesetzesgrundlage. Das Projekt basierte aber auf einer verfassungsmässigen Grundlage.

Die beiden Referenten umrissen die damalige militärische Ost-West-Gesamtlage und die Szenarien wie Durchmarsch, Teilbesetzung, Einfall und totale Besetzung. Vom Projekt 26 nicht beabsichtigt war die Aktivierung im Falle eines inneren Umsturzes in unserem Land. So schuf man eine elitäre Kaderorganisation, die aus kleinen Zellen zu zwei bis vier Personen bestand und im Ernstfall rund 80 Widerstandsregionen aufgebaut hätte. Die Mitglieder kannten sich natürlich zellübergreifend nicht.

Diskrete Methoden

Zur Verfügung hatte jeder Chef einer Widerstandsregion einen Funker, einen Aktionsgruppenchef für Nachrichten und Propaganda, einen Kurier für das Materialdepot und einen Geniespezialisten, der feindliche Eisenbahnzüge zu blockieren oder Telefonnetze des Gegners zu sabotieren verstand. Auch berichteten die Referenten über die diskreten Rekrutierungsmethoden, die mehrheitlich in Bekanntenkreisen angewendet wurden. Das oberste Gebot hiess Schweigen.

Nach zwei Stunden spannender Instruktion und einem zügigen Marsch treppauf, treppab zeigten sich die Besucher informiert und zufrieden. Sie bezeugten das mit Applaus für das Gebotene. Von den Marschstrapazen erholte man sich später gut eidgenössisch bei Bratwurst, Brot und unterschiedlicher Tranksame.