Der Mensch ist seine Sprache

Fokus Der Riniker Künstler Georg Aranya studiert an der Kunstakademie in Florenz. Nun stellt er seine Werke im Oberflachser Zehntenstock aus.

Der menschliche Körper steht im Zentrum seiner Kreativität, anatomisch präzis geformte Körper und feingliedrige Gesichter prägen sein Schaffen. «Ich kann mich regelrecht in der Topografie des menschlichen Körpers verlieren, im Zusammenspiel seiner Formen, in den Übergängen und Spannungen», sagt Georg Aranya.

Den jungen Künstler aus Riniken interessiert die Form, die dem menschlichen Körper seinen Charakter verleiht, wie er erklärt. «Der Mensch fasziniert mich aber auch deshalb, weil er kein einziges Wort gesprochen haben muss, um bereits etwas gesagt zu haben. Wir vermögen uns ohne Worte mitzuteilen.»

Anfangs noch strauchelnd...

Die Faszination für den menschlichen Körper habe er als Künstler nicht von Beginn an gespürt – zumindest nicht bewusst. Früher habe er vor allem kleine Kritzeleien auf Papier gezeichnet, sie dienten ihm als eine Art Tagebuch. Allerdings hätten jene Kritzeleien bereits Menschen dargestellt. Mit der Zeit sei ihm dann klar geworden, dass der Mensch seine Sprache ist – «eine Sprache, die ich erlernen möchte», so Aranya. Der junge Mann fand in diesen Zeichnungen Halt, wie er sagt. «Anfangs noch strauchelnd, doch mit der Zeit festigte sich mein Tritt, und so fiel ich tiefer und tiefer in jenes Loch der Kunst.»

Dass Aranya Künstler wurde, hat auch mit seinem Wesen zu tun. Er habe sich immer schwer mit der zwischenmenschlichen Kommunikation getan, insbesondere in gesellschaftlichen Situationen, in denen mehrere Menschen aufeinandertrafen. «So wurde die Kunst für mich zunehmend zu einer Art Rückzugsort. Vielleicht auch aus einer gewissen Not heraus begann ich, mich ernsthafter mit ihr auseinanderzusetzen.»

Der 25-Jährige hatte seine Kindheit in Riniken verbracht und war dort und später in Brugg zur Schule gegangen. Seine Ausbildung als Landschaftsgärtner hatte er ebenfalls in Brugg absolviert, bevor er die Bildhauerfachschule im österreichischen Hallein besuchte. Heute studiert Aranya an der Florence Academy of Art in Florenz und befindet sich im zweiten von insgesamt drei Ausbildungsjahren.

Verständnis für die Form

Er habe sich bewusst für diese Akademie entschieden, weil dort unter anderem die von Robert Bodem entwickelte Methode «Drawing in Space» unterrichtet werde, sagt Aranya. «Diese ermöglicht es, eine Skulptur auf eine strukturierte und technisch fundierte Weise aufzubauen und ein tieferes Verständnis für die dreidimensionale Form zu entwickeln.»

Das Studium sei sehr intensiv und verlange viel Geduld und Disziplin. Aber gerade das schätze Aranya, denn in Florenz habe er die Möglichkeit, sich täglich mit seinen Themen auseinanderzusetzen. «Allerdings ist es oft kräftezehrend, da man ständig an der Grenze des eigenen Könnens arbeitet», so der Künstler. «Man versucht stets, die Diskrepanz zwischen dem, was man zu sehen vermag, und dem, was man tatsächlich umzusetzen imstande ist, zu verringern.»

Ein eigenes Atelier hat er derzeit nicht. So entstehen Aranyas Arbeiten hauptsächlich im Rahmen des Studiums an der Akademie. Dort verbringt der Riniker wöchentlich mindestens 32 Stunden im Unterricht. Hinzu kommt die Zeit für das Selbststudium und die weitere Ausarbeitung seiner Werke. Aranyas Alltag in Florenz besteht somit grösstenteils aus dem Zeichnen und Modellieren nach dem lebenden Modell.

Grundwissen der Anatomie

Die Skulpturen, die dabei entstehen, bestechen durch ihre Körpersprache und eine erstaunliche Dringlichkeit. Und fast wirken sie, als hätte der Künstler während seines Schaffensprozesses stets ein Anatomiebuch zur Hand. «Nein, ich arbeite nur mit Modellen», entgegnet Aranya. Allerdings habe er ein Grundwissen der Anatomie, das Teil der akademischen Ausbildung sei.

Dass einige seiner Werke beim Betrachtenden gewisse Assoziationen zur Antike hervorrufen, kann der Künstler nachvollziehen – er relativiert jedoch: «Skulpturen der Antike idealisieren oft den menschlichen Körper. Dabei suchte man früher das Göttliche im Menschen und prägte Merkmale aus, die als göttlich verstanden wurden – eine Art Deifizierung des Menschen.» Das sei bei seinen Skulpturen nicht der Fall. «Natürlich bewundere und studiere ich viele dieser Werke, jedoch sind meine eigenen Arbeiten nicht direkt daran angelehnt. Ich glaube, am aussagekräftigsten ist letztlich die künstlerische Ausrichtung, die ein Künstler vertritt, und nicht allein die äussere Ähnlichkeit seiner Werke mit jenen der Antike.»

Obwohl Georg Aranya in Italien studiert und wirkt, hat er die Verbindung zur Heimat nicht abgebrochen. Und so werden seine Werke schon bald an einer Doppelausstellung mit der Künstlerin Christine Erb aus Küttigen im Zehntenstock in Oberflachs zu sehen sein. Die Ausstellung steht unter dem Motto «Natur eingefangen in Form und Licht», Vernissage ist am Freitag, 30. Oktober, um 18 Uhr.