Ein fiktiver Brand in der Schule

Schinznach-Dorf: Die Feuerwehr Schenkenbergertal lud am vergangenen Samstag zur jährlichen Hauptübung. Das Szenario: Brand im Primarschulhaus.
Zum Glück nur eine Übung, aber eindrücklich für Gross und Klein: Die Feuerwehr Schenkenbergertal lockte viele Zuschauende aus den Talgemeinden an – sie beobachteten hinter der Absperrung, was auf den vielen kleinen Schauplätzen der Übung vor sich ging. Das Ganze erinnerte an ein Wimmelbild, auf dem man immer wieder Neues entdecken konnte.
Kommandant Philipp Schmelzer kommentierte die Hauptübung für die Besuchenden informativ und humorvoll. «Die Feuerwehr kommt immer zu spät. Das wichtigste Fahrzeug ist das Tanklöschfahrzeug, kurz TLF, das als Erstes ausfahren muss. Der Einsatzleiter gibt Befehle zügig, denn jede Sekunde zählt.» Geborgene Personen würden wann immer möglich an ein «Plätzli am Schärme» gebracht und so platziert, dass sie nicht direkt auf das Ereignis blickten, aus dem sie gerettet worden seien.
«Nicht für uns selbst»
Das Motto der Hauptübung lautete «Nicht für uns selbst»: Das heisst, die Rettungen der vier Figuranten, die Brandbekämpfung und der Atemschutzeinsatz galten nicht direkt dem Üben, sondern war für die Bevölkerung. «Die Feuerwehr gehört den Steuerzahlenden, deshalb ist es wichtig, sich zu präsentieren und zu zeigen, was wir machen», so der Kommandant.
Für Lacher sorgten Mitglieder der Atemschutzgruppe, die aus Jux nicht in Uniform, sondern im schrillen Freizeitlook ihre Arbeit machten: «Ich han gar nöd gwüsst, dass dä Felix so schöni Hose hät», meinte Philipp Schmelzer ironisch zur Leoparden-Leggings samt bauchfreiem pinkem T-Shirt des Trägers. Spannend zu erfahren war dann, wie bei «null Sicht» eine 100 Meter lange Führungsleine, aussen am Gebäude befestigt, mit ins Innere genommen wird und so als Rettung zur Rückkehr nach draussen dient.
Neues Kommandantenteam
Kommandant Philipp Schmelzer gibt das Kommando nach fünf Jahren weiter, er möchte sich vermehrt um seine Familie kümmern. Vizekommandant Fabian Tischler hätte die Position übernehmen sollen, zieht aber in einen anderen Kanton und ist somit ausser Reichweite. Neu teilen sich drei Männer die Positionen: Andi Lüscher ist neuer Kommandant, sein Bruder Daniel Lüscher sowie Adrian Kirchhofer sind die Vizekommandanten. Neben dem Kommandowechsel gab es dieses Jahr das neue Verkehrsabteilungsfahrzeug MAN TGE.
Ehrenamtlich für den Apéro
Bekannt ist die Hauptübung ausserdem für den grosszügigen Apéro riche, den der Feuerwehrverein Schenkenbergertal von Hand liebevoll selbst herstellt. Vereinspräsidentin Judith Käser, die in der Küche des Vereinslokals, dem Holzschopf in Schinznach-Dorf, gerade Risotto schöpfte, erzählte: «Zwölf Vereinsmitglieder haben ehrenamtlich ab 9 Uhr den Apéro vorbereitet. Wir produzieren hier schon fast am Fliessband.» Jeder wisse nach einer Einführung, was er zu tun habe, wie die Brötchen zu belegen und zu dekorieren seien oder wie dick die Gemüsestifte geschnitten würden.
Der scheidende Kommandant Philipp Schmelzer erzählte in seiner Rede an die Besuchenden amüsiert, dass sogar Leute ihn anriefen und fragten, ob es an der Hauptübung wieder einen Apéro gäbe – wenn ja, dann würden sie kommen.
Für die Mitglieder der Feuerwehr, ihre Angehörigen und Behördenvertretende endete der Abend mit dem interessanten Rapport, der das Feuerwehrjahr erläuterte, und einem feinen Nachtessen. Die Gewissheit, im Ernstfall gut betreut zu werden, liess sie darauf ruhig schlafen.