Einwohnerrat will Variante Mini

Der Einwohnerrat debattierte über das Gemeindehaus. Am Rednerpult: Stefan Stammbach von der Mitte.Bild: Marko Lehtinen
Der Einwohnerrat debattierte über das Gemeindehaus. Am Rednerpult: Stefan Stammbach von der Mitte. Bild: Marko Lehtinen

WIndisch: Der Einwohnerrat befand an seiner Sitzung vom 21. Oktober vor allem über die Sanierung des Gemeindehauses. Er entschied sich entgegen dem Vorschlag des Gemeinderats für die abgespeckte Version Mini.

Besonders gespannt war man an der Sitzung des Einwohnerrats auf das Traktandum sieben – das Budget 2027. Doch dazu sollte es nicht kommen. Ein anderes Thema beschäftigte den Rat so sehr, dass die Debatte um das Budget um eine Woche verschoben werden musste. Das Geschäft, das an diesem Abend für Diskussionen sorgte, war die Sanierung des Gemeindehauses.

Dass das Gebäude aus dem Jahr 1964 sanierungsbedürftig ist, steht grundsätzlich ausser Frage. Die Fenster und Storen sind alt, die Gebäudehülle ist energetisch ungenügend, und der Energiebedarf ist sehr hoch. Das Raumklima lässt zu wünschen übrig, ausserdem besteht Handlungsbedarf bei der Erdbebensicherheit, dem Brandschutz, der Gebäudetechnik und bei schadstoffhaltigen Bauteilen.

Fenster und Fassaden

Der Einwohnerrat hatte für die Projektierung im März 2025 einen Verpflichtungskredit von 800 000 Franken bewilligt. Nun präsentierte der Gemeinderat drei mögliche Varianten zur Umsetzung – er nennt sie Mini, Midi und Maxi – und sprach sich dabei für die Variante Midi als Grundlage für die weitere Projektierung aus. Sie würde grössere Sanierungen umfassen als das Notwendigste, wäre entsprechend teurer als die Mini-Variante. Sie wäre aber weniger umfangreich und günstiger als die Variante Maxi. Konkret würde sie unter anderem den Ersatz der Fenster an der Ost- und Westfassade, neue Storen an allen Fassaden ausser gegen Norden, eine Photovoltaikfassade in Richtung Süden und die Sanierung sämtlicher Nasszellen beinhalten.

Einleitend betonte der Gemeinderat Reto Candinas (SP), dass das Thema ziemlich komplex sei, man sich erst in der Vorprojektierungsphase befände und gewisse Detailfragen noch nicht beantworten könne. Und er nahm vorweg, warum ein Abriss des Gemeindehauses und ein Neubau nicht in Betracht gezogen würden: «Der bestehende Rohbau ist laut einer aktuellen Analyse noch in sehr gutem Zustand», sagte Candinas. «Ein Abbruch käme somit der Vernichtung von Kapital gleich, hinzu würden enorme Kosten für den Abbruch und den Neubau kommen.»

«Mit wenig Begeisterung»

Nachdem die Finanz- und Geschäftsprüfungskommission nur die Variante Mini – und das «mit wenig Begeisterung» – zur Annahme empfohlen hatte, kam es zu einer längeren Debatte. Dabei sprach sich Stefan Stammbach (Mitte) aus Kostengründen für die Variante Mini aus. Angelina Frupp (SVP) betonte, dass die 8,3 Millionen Franken Gesamtkosten für die Variante Midi mehr als doppelt so viel seien als ursprünglich berechnet. Die SVP lehne das Geschäft ab. Heike Brösamle (GLP) befand, der Gemeinderat solle eine zusätzliche Variante mit der Möglichkeit eines Neubaus vorlegen, während Matthias Knecht (FDP) scharfe Worte fand. «Ich frage mich, wie es eine solche Botschaft überhaupt bis zum Einwohnerrat schaffte», sagte er. «Für die weitere Projektierung muss man sich auf die Variante Mini beschränken. Dabei soll ein Kostenziel von maximal 6,25 Millionen Franken gelten.» Und der für die Variante Mini beantragte Zusatzkredit von 20 000 Franken solle nicht gesprochen werden.

Stefan Fehlmann (EVP) sagte, seine Fraktion sei ebenfalls für die Variante Mini ohne den Zusatzkredit von 20 000 Franken und die automatisierten Fensterflügel für die Nachtauskühlung für 200 000 Franken. Für die Variante Mini plädierte auch Nicolas Frei (Grüne). «Wir fordern zusätzlich die Prüfung einer Photovoltaikanlage», sagte er.

Einzig Pia Stammler (SP) sprach sich im Namen ihrer Partei für die Variante Midi aus, kündigte jedoch Anträge an, unter anderem dass auf eine umfassende Sanierung der sanitären Anlagen verzichtet werde. Nadja Sträuli (GLP) stellte schliesslich einen Rückweisungsantrag des gesamten Geschäfts, da keine Variante mit einem Neubau enthalten sei. Die Rückweisung wurde mit 12 Ja- zu 17-Nein-Stimmen abgelehnt.

Sommerhitze im Gebäude

Nach einer längeren Diskussion unter anderem über die sommerliche Hitze in den Räumlichkeiten und über gewisse geplante Massnahmen wie zum Beispiel die automatisierten Fensterflügel für die Nachtauskühlung entschied sich der Einwohnerrat in einer Abstimmung grundsätzlich für die Variante Mini.

Somit waren die umfassenderen Varianten vom Tisch. Der Rat musste aber noch über die diversen Anträge befinden. So stimmte der Rat mit deutlichem Ja für den Verzicht der besagten Fensterflügel für 200 000 Franken, und er sagte auch Ja zum Antrag, der Gemeinderat solle prüfen, mit welchen dezentralen Kühlgeräten der sommerliche Komfort im Gebäude erreicht werden könne. Der Einwohnerrat nahm ebenso einen Antrag an, der verlangt, die Möglichkeit für eine Photovoltaikanlage solle in der weiteren Planung berücksichtigt werden. Ein Ja gab es ausserdem für den Antrag, dass die Südfassade im Fall einer Umsetzung der Photovoltaikanlage gedämmt werde, für einen weiteren Antrag, dass die sanitären Anlagen überprüft und allenfalls saniert werden müssten, und schliesslich für den Antrag, dass der Gemeinderat für die Variante Mini mit einem Maximalbetrag von 6,25 Millionen Franken planen solle. Ein Nein gab es lediglich für den Antrag für neue Fenster an der Nord- und Südfassade inklusive Storen in Richtung Süd.

In der Schlussabstimmung entschied sich der Einwohnerrat mit 31 Ja- gegen 8 Nein-Stimmen für die Variante Mini – ohne Zusatzkredit von 20 000 Franken – inklusive vorliegender Anträge. Sie soll dem Gemeinderat als Grundlage für die weitere Planung dienen.

 

Motion zur Verkehrsdichte im Mitteldorf

An der Einwohnerratssitzung von vergangener Woche wurde auch über eine Motion für die Verkehrsberuhigung im Mitteldorf entschieden. Vorgetragen wurde er im Namen von 80 Mitunterzeichnenden vom Windischer Anwohner Stéphane Künzi. «Der Durchgangsverkehr im Mitteldorf ist enorm, über 1000 Fahrzeuge sind es pro Tag», sagte Künzi. Das sei vor allem für die Kinder auf dem Schul- oder Kindergartenweg gefährlich, die Lärmbelastung sei eine Einschränkung der Lebensqualität für die Anwohnenden. «Unser Wunsch an den Gemeinderat ist, dass für das ganze Mitteldorf ein Verkehrsregime erstellt wird», so Künzi. Der Quartierverein solle in diesen Prozess einbezogen werden. Der Einwohnerrat überwies die Motion deutlich mit 29 Ja- zu 8 Nein-Stimmen bei 2 Enthaltungen. LEH