Geglückter Neustart in der Stadtbibliothek

Claudia Muhmenthaler leitet die Bibliothek Brugg seit Mai.Bild: ISabel Steiner PeterhaNS
Claudia Muhmenthaler leitet die Bibliothek Brugg seit Mai. Bild: Isabel Steiner Peterhans

Brugg: Die Leiterin der Stadtbibliothek spricht über Neuanfänge, die Grenzen von KI und die Bibliothek als lebendigen Treffpunkt.

Claudia Muhmenthaler ist seit Anfang Mai dieses Jahres die Leiterin der Stadtbibliothek Brugg, die im Effingerhof angesiedelt ist. Die ausgebildete Informations- und Dokumentationsspezialistin hat nicht nur eine neue Stelle in Brugg angetreten, sondern ist auch aus dem Kanton Graubünden zugezogen. Der General-Anzeiger wollte wissen, inwiefern die sympathische Frau an der neuen Arbeitsstelle zwischenzeitlich angekommen ist.

«Mir geht es sehr gut in meinem neuen Job und im neuen Umfeld. Ich wurde von allen sehr herzlich begrüsst und aufgenommen. Es war definitiv die richtige Entscheidung», sagt Claudia Muhmentahler an diesem Vormittag beim Interview in der Stadtbibliothek. Mit ihrer Zusage übernahm Claudia Muhmenthaler die Verantwortung für ein klares Ziel: die Bibliothek als unverzichtbaren Raum für Menschen, Medien und Ideen im Alltag der Bevölkerung zu verankern.

Eine aktuelle Kundenumfrage zeigt, dass das bereits weitgehend gelingt. Doch die Rückmeldungen bringen auch Herausforderungen ans Licht: «Eine Herausforderung ist, dass sich die Bedürfnisse zum Teil widersprechen», erklärt sie. «Ein Beispiel: Die Bibliothek soll ein lebendiger Ort sein mit Aktivitäten für Kinder und Jugendliche, sie soll aber ebenso ein ruhiger Rückzugsort zum Verweilen und Lesen sein.» Nun gelte es, die richtige Balance zwischen diesen Erwartungen zu finden.

Wenn einen die KI mit fremden Federn schmückt

Dass die neue Leitung viel frischen Wind mitbringt, ist unbestritten, sogar wenn die künstliche Intelligenz (KI) dabei manchmal etwas voreilig ist. Eine KI-Recherche der Redaktorin für diesen Artikel ordnete ihr fälschlicherweise etablierte Angebote wie das Sprachcafé oder das Lesetandem als eigene Neuerungen zu. Sie nimmt es mit Humor und Gelassenheit: «Ich finde es schön, dass die KI grundsätzlich so ein positives Bild von mir hat, aber sie schmückt mich etwas mit fremden Federn.»

Für sie ist die Episode vor allem eine lehrreiche Anekdote: «Für mich ist das ein gutes Beispiel, dass KI noch nicht wirklich intelligent ist und dass Aussagen von KI stets hinterfragt und verifiziert werden müssen.» Viel lieber als auf digitale Daten verlässt sie sich ohnehin auf die Begegnungen vor Ort. Von ihrer neuen Heimat zeigt sie sich begeistert und überrascht: «Ich staune darüber, was ich alles nicht über meine neue Heimat weiss. Es ist faszinierend für mich, wie unterschiedlich die Schweiz je nach Kanton, Region oder Ort ist.»

Insbesondere die kulturelle Dynamik in Brugg beeindruckt sie: «Ich bin positiv davon überrascht, wie viel in Brugg los ist und mit wie viel Herzblut die verschiedenen Events organisiert werden. Gefühlt fand jede Woche mindestens ein Anlass statt, seit ich hier angefangen habe.» Beruflich fordere sie das durchaus heraus, da es gelte, den Überblick zu behalten und abzuwägen, wo sich die Bibliothek sinnvoll einbringen könne.

Faszination für die neue Heimat

Die Brugger Bevölkerung erlebt sie als ausserordentlich engagiert und zugewandt. Kontakte kann sie dabei nicht nur im Arbeitsalltag, sondern auch ganz spontan knüpfen. Ein Schlüsselmoment blieb ihr besonders lebhaft in Erinnerung: «Für mich war es ein sehr spezieller Augenblick, als ich während des Jugendfests mit jemandem ins Gespräch kam und mich diese Person aufgrund von Zeitungsberichten als neue Leiterin der Stadtbibliothek erkannt hat.»

Inhaltlich führt sie die Bibliothek konsequent auf dem Weg zum «dritten Ort» weiter – einem Raum zum Verweilen. Sofas im Jugendbereich, gemütliche Sessel und Tische laden dazu ein, bei einer Zeitung und einer Tasse Kaffee die Zeit zu vergessen. Dank dem Verbund E-Book plus stimmt das digitale Angebot, das die klassische Leseförderung auf Papier ergänzt: «Uns ist es wichtig, dass wir sowohl ein attraktives physisches als auch digitales Medienangebot haben.»

Spannende Projekte und eine volle Agenda

Für die nächsten ein bis zwei Jahre stehen viele spannende Aufgaben an, die hauptsächlich auf starke Kooperationen setzen. So befindet sich zurzeit zusammen mit weiteren Aargauer Bibliotheken ein Escape-Game für Jugendliche in Entwicklung.

Daneben ist der Terminkalender für die nächsten Monate schon ziemlich voll: Am 23. Oktober lädt die Stadtbibliothek gemeinsam mit dem Jugendkulturhaus Piccadilly zum beliebten Gruselabend ein. Kurz darauf, am 6. November, folgt im Odeon der Bücherabend «Was wir lesen» in Zusammenarbeit mit Orell Füssli und der Bibliothek Windisch, bevor die Bibliothek im Dezember wieder beim traditionellen Brugger Adventsfenster mitwirkt.

Der Blick reicht aber weiter ins kommende Jahr: Die Vorbereitungen für das Projekt «Auf Buchfühlung» von «Kultur macht Schule» laufen auf Hochtouren, und bei der zweiten Ausgabe von «Brugg liest ein Buch» ist die Stadtbibliothek wieder aktiv im Organisationskomitee vertreten.