Soziale Dienstleistungen feiern Jubiläum

Brugg: Der Gemeindeverband Soziale Dienstleistungen Region Brugg feierte am Mittwoch letzter Woche sein 10-Jahr-Jubiläum im Salzhaus.

Etwa 100 Mitarbeitende, geladene Gäste und Gemeindeverbandsvertretende sowie Besuchende aus der Bevölkerung waren am Jubiläumsanlass anwesend, als Christian Bolt, Vorstandspräsident der Sozialen Dienstleistungen Region Brugg (SDLRB), den Abend eröffnete. Er war zugleich die Vertretung der Gemeinde Windisch, eine der 19 Verbandsgemeinden des Bezirks Brugg. Bolt erklärte, dass einer der Hauptgründe für die Planung des Gemeindeverbands das per 2013 neu in Kraft getretene Kindes- und Erwachsenenschutzrecht gewesen sei. «Im Zentrum unserer Arbeit stehen seither die Menschen: Wir wollen Werte, Haltungen und Vorgaben mit Leben füllen», hielt er fest.

Claudia Fries, Geschäftsführerin des Gemeindeverbands SDLRB, gab im Anschluss einen Einblick in den Alltag der 45 Mitarbeitenden, bevor Jakub Samochowiec, Senior Researcher und Speaker am Gottlieb-Duttweiler-Institut, ein Referat zum Thema «Zusammenleben in der Zukunft» hielt. Gegensätze seien die grosse Herausforderung, die Balance zu finden das Ziel, so Samochowiec. Beim anschliessenden Apéro riche tauschte man sich intensiv über das Referat aus.

Seit der Gründung des Gemeindeverbands SDLRB sind zehn Jahre vergangen. Der «General-Anzeiger» wollte von Geschäftsführerin Claudia Fries nach dem Jubiläumsanlass wissen, was sich in dieser Zeit getan hat.

Claudia Fries, wie funktionieren die Sozialen Dienstleistungen Region Brugg?

Die Dienstleistungen sind in drei Bereiche gegliedert: Der Kindes- und Erwachsenenschutzdienst, kurz KESD, nicht zu verwechseln mit der KESB, wird im Auftrag des Familiengerichts aktiv. Hier geht es um Beistandschaften. Bei der Jugend- und Familienberatung, kurz JFB, stehen Erziehungs- und Beziehungsfragen im Fokus. Diese Beratungen sind direkt und kostenlos. Die Mütter- und Väterberatung, kurz MVB, behandelt schliesslich Themen der frühen Kindheit von null bis fünf Jahren. Auch diese Beratungen sind kostenlos.

Der Gemeindeverband möchte seine präventiven Angebote stärken. Welche sind das?

Die Jugend- und Familienberatung sowie die Mütter- und Väterberatung sind sogenannte vorgelagerte Dienste. Es wäre gut, wenn die Menschen diese kostenlosen, freiwilligen Angebote vermehrt in Anspruch nehmen würden, denn oft kann damit ein Problem schon gelöst oder zumindest verringert werden. Wichtig zu erwähnen ist, dass die Angebote nicht nur für Familien, sondern für alle Menschen gelten, die sich in herausfordernden Lebenssituationen befinden.

Sie sind seit Dezember 2020 Geschäftsführerin der SDLRB. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Die Unterstützung der Klienten wurde verbessert: Früher hatte eine Beistandsperson oft rund 100 Klienten, heute sind wir bei 56 beim Kindesschutz und bei 66 beim Erwachsenenschutz. Das Ziel sind 50 beziehungsweise 60 Klienten pro Vollzeitstelle. Die KESB hat hohe Fallzunahmen, ausserdem nehmen die Gefährdungsmeldungen zu. Generell entwickelt sich unsere Organisation ständig weiter, und auch wir spüren den Fachkräftemangel sehr stark. Fachpersonal mit passender Ausbildung und fundierter Berufserfahrung zu gewinnen, ist anspruchsvoll.

Sind die Anliegen und Probleme komplexer geworden?

Ja, die Leute sind oft mehrfach belastet. Zum Beispiel gesundheitlich, psychisch, finanziell und familiär. Die Rahmenbedingungen des Lebens, des Alltags, haben sich in den letzten Jahren verändert und sind komplizierter geworden. Viele Menschen sind damit überfordert.

Welches sind die häufigsten Anliegen?

In der Mütter- und Väterberatung werden Anliegen rund um Alltag, Erziehung und Ernährung für Kinder von null bis fünf Jahren behandelt. Bei der Jugend- und Familienberatung stehen Familienkonflikte, Erziehung und Beziehung im Fokus. Beim KESD führen wir Beistandsmandate auf Anordnung der KESB. Wir unterstützen in vielen Lebensbereichen, zum Beispiel wenn die KESB anordnet, die Eltern bei der Umsetzung des Besuchsrechts zu unterstützen. Bei Erwachsenen nehmen psychische Belastungen zu, auch bei älteren Menschen. Sie vergessen dann beispielsweise, ihre Rechnungen zu bezahlen, und können ihren Alltag nicht mehr selbstständig organisieren, unter anderem deshalb, weil sie keinen Zugang zur Onlinewelt haben und ihre Kinder oder Verwandten nicht in der Nähe leben, um zu helfen. Die Herausforderungen in dieser schnellen, unvorhersehbaren Zeit überfordern viele Menschen.