Strohwein aus den letzten Trauben

Aus diesen vollreifen und zuletzt geernteten weissen Vidal-blanc-Trauben entsteht ein Strohwein. Bild: zVg
Aus diesen vollreifen und zuletzt geernteten weissen Vidal-blanc-Trauben entsteht ein Strohwein. Bild: zVg

Remigen: Kein Frost und Hagel, dafür Hitze und früheste Ernte mit guter Qualität: Das ist die Bilanz des grössten privaten Weinguts der Region.

Am Bettag-Montag schnitten 18 Helferinnen und Helfer im Remiger Rebberg Beugehalde die letzten weissen Vidal-blanc-Trauben ab – insgesamt 2,5 Tonnen – und beendeten damit eine rekordhaft frühe Ernte auf dem Weingut Hartmann. Die Vidal blanc ist eine spätreife, pilzwiderstandsfähige Sorte. Sie stammt aus Kanada und wird dort hauptsächlich für die Eisweinherstellung verwendet.

Das Weingut Hartmann keltert sie seit 1997 zu restsüssen Strohweinen. Zweimal, 2007 und 2008, hatte der Betrieb die klimatische Möglichkeit, ebenfalls einen Eiswein zu produzieren.

Mindestens 90 Öchslegrad

Der Unterschied zwischen Eis- und Strohwein liegt in der Verarbeitung. Eiswein wird aus vollreifen, gefrorenen Trauben hergestellt, die bei mindestens 10 Grad minus am Rebstock gelesen und sofort gepresst werden. Dabei bleibt das gefrorene Wasser in Eiskristallform in der Presse zurück. Nur der hochkonzentrierte Saft wird gewonnen.

Bei der Strohweinherstellung entzieht das Weingut Hartmann den Trauben vier Wochen lang in einem speziellen, mit erneuerbarer Energie betriebenen Trocknungsraum 50 Prozent Flüssigkeit. Nachher wird der Restsaft aus den Beeren gepresst und die alkoholische Gärung gestoppt. Dadurch konzentrieren sich Fruchtzucker, Aromen, Extrakte und die natürliche Restsüsse zu einer exquisiten Weinspezialität.

Auch für den Strohwein werden vollreife Trauben mit mindestens 90 Öchslegrad benötigt. Diese Limite war heuer kein Problem. Die Vidal-blanc-Trauben waren absolut gesund und wogen rund 95 Grad Öchsle. Die weiteren auf dem Betrieb geernteten Traubensorten erreichten ebenfalls ideale bis hohe Werte. Beispielsweise wog der weisse Müller-Thurgau «Viola» 83 Öchslegrad, und der Sauvignon blanc sowie rote Sorten 97 bis 116 Grad Öchsle. Das verspricht fruchtige, gehaltvolle Weine.

Aus den Trauben von 41-jährigen Reben in Villnachern mit 105 Grad Öchsle vinifiziert das Weingut Hartmann nun erstmals einen «Sommerhalde Grand Cru Aargau 2026». Er hat aber noch mindestens ein Jahr Barriquereife vor sich, bevor er in den Handel kommt.

Rekordhaft frühe Ernte

«Die Winzer sind sich gewohnt, dass jedes Weinjahr etwas anders verläuft, doch das Jahr 2026 war aussergewöhnlich», sagt der erfahrene Rebbauer Bruno Hartmann. Hitze und Trockenheit stellten an Rebleute und Pflanzen besondere Anforderungen. Wichtig war ein gutes Wassermanagement. Junge Reben, die noch nicht tief wurzeln, benötigten Bewässerung. Hingegen konnte die Trockenheit älteren Pflanzen, die ihre Wurzeln im durchlässigen, mineralischen Jurakalkgestein drei bis vier Meter tief vortreiben, nichts anhaben.

Als wertvolle Massnahme gegen die Trockenheit erwies sich auch die durchgehende Begrünung der Rebparzellen. Zudem schützte eine konsequente Begrenzung des Traubenbehangs die Reben zusätzlich vor dem Hitzestress. Hartmann, das grösste private Weingut in der Region Brugg, senkte die Menge auf 600 bis 800 Gramm pro Quadratmeter. Das lag deutlich unter der kantonalen Limite von 1,1 Kilogramm pro Quadratmeter bei den roten Sorten beziehungsweise 1,3 Kilogramm pro Quadratmeter bei den weissen Sorten.

Der Betrieb Hartmann blieb von Frost und Hagel verschont. Aber die Hitze bewirkte eine schnelle und rekordhaft frühe Traubenernte. Sie dauerte von Ende August bis gut Mitte September. Zu diesem Zeitpunkt fing früher der Leset oft erst an. Er rückte in den letzten Jahren, klimabedingt, immer mehr nach vorn.

Auszeichnung für Piwi-Weine

Im Anbau pilzwiderstandsfähiger Rebsorten, der den Einsatz von Pflanzenschutz reduziert, gehört Hartmann zu den führenden aargauischen Weinbaubetrieben. Die gute Qualität dieser Weine wurde jetzt mehrfach honoriert. So gewann der Remiger Betrieb an der Piwi International Wine Challenge 2026 drei Golddiplome für den «Cabernet Jura Remigen 2023», den «Strohwein Remigen 2022» und den «Sauvignier gris Remigen 2024» sowie eine silberne Auszeichnung für den «Sommerhalbe Sauvignac Villnachern 2022». Die gleichen Weine wurden vom Genussmagazin «Fallstaff» an der Piwi-Trophy 2026 mit hohen 89 bis 91 Punkten bewertet.