Warum der Wald leer bleibt

Lotti Rösti in Aktion.Bild: zvg
Lotti Rösti in Aktion. Bild: zvg

Bözberg: Die anhaltende Trockenheit setzt den Waldböden zu: Weil ohne Feuchtigkeit kein Myzel wächst, fällt die Pilzexkursion von Lotti Rösti und dem Jurapark Aargau aus. Ein Blick unter die Erde zeigt, warum Pilze so empfindlich reagieren.

Die Landschaftsführerin Lotti Rösti organisiert in Zusammenarbeit mit dem Jurapark Aargau seit einigen Jahren zwei Mal jährlich ausgiebige naturkundliche Pilzexkursionen. Die nächste hätte am kommenden Samstag, 3. Oktober, auf dem Bözberg stattfinden sollen. Diese musste aber abgesagt werden.

«Eine Führung durch den Wald ergibt unter diesen aktuellen überaus trockenen Bedingungen wenig Sinn, da kaum Anschauungsmaterial zu finden wäre und das Suchen im ausgetrockneten Boden dem geschwächten Myzel zusätzlichen Schaden zufügen könnte», so die Pilzfachfrau. Dass eine Exkursion aufgrund solcher Wetterbedingungen habe abgesagt werden müssen, habe sie noch nie erlebt, bestätigt die 74-Jährige. «Erst wenn ausgiebiger, landesweiter Regen den Boden tiefgründig durchfeuchtet, erwacht das Myzel wieder und bildet innerhalb weniger Tage die gewohnten Fruchtkörper aus.»

Kein Wasser, keine Pilze

Das Pilzwachstum ist untrennbar mit dem Wasserhaushalt des Waldes verbunden. Dass die Pilzführung im Aargau aufgrund der anhaltenden Trockenheit abgesagt werden musste, ist aus ökologischer Sicht eine logische Konsequenz: Wenn im Boden die Feuchtigkeit fehlt, bleibt das Pilzvorkommen weitgehend aus. Um zu verstehen, warum Trockenheit den Pilzen so stark zusetzt, lohnt sich ein Blick unter die Erde. Was wir gewöhnlich als Pilz bezeichnen, zum Beispiel den Steinpilz oder den Maronenröhrling, ist botanisch gesehen nur der Fruchtkörper. Der eigentliche Organismus ist das sogenannte Myzel, ein weit verzweigtes, feines Geflecht aus Pilzfäden (Hyphen), das sich im Waldboden oder im Totholz ausdehnt. Dieses Myzel ist extrem empfindlich gegenüber Feuchtigkeitsänderungen.

Damit das Myzel überhaupt Fruchtkörper ausbilden kann, benötigt es zwei wesentliche Reize: passende Temperaturen und Wasser. Wasser erfüllt dabei mehrere überlebenswichtige Funktionen, da das Wachstum der Fruchtkörper in erster Linie durch Zellvergrösserung erfolgt. Die Pilzzellen nehmen grosse Mengen Wasser auf, wodurch ein innerer Druck, der sogenannte Turgor, entsteht. Dieser Druck ermöglicht es dem Pilz erst, durch das Erdreich zu brechen und seine feste Form aufzubauen, denn Pilzfruchtkörper bestehen zu etwa 80 bis 90 Prozent aus Wasser. Fehlt die Feuchtigkeit im Boden, können die Knospen der Fruchtkörper nicht aufquellen oder vertrocknen bereits im Frühstadium. Zudem besitzen Pilze kein tiefes Wurzelsystem wie Bäume, sondern nehmen organische Verbindungen und Mineralstoffe gelöst in Wasser über ihre Zellwände auf. Trocknet der Oberboden aus, kommt dieser Nährstofftransport zum Erliegen, worauf der Pilz seine Aktivitäten einstellt und in einen Ruhezustand übergeht, um sein Überleben zu sichern.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele beliebte Speisepilze in einer Symbiose mit Waldbäumen leben, der sogenannten Mykorrhiza. Sie liefern dem Baum Wasser sowie Mineralstoffe und erhalten im Gegenzug Zuckerverbindungen aus der Fotosynthese. Stehen die Bäume durch die Trockenheit jedoch selbst unter Stress, reduzieren sie die Abgabe von Zucker an die Pilze, wodurch dem Myzel letztlich die nötige Energie zur Fruchtkörperbildung fehlt.

Eine Passion für Pilze

Die Daten der Exkursionen müssen auf das neue Jahr festgelegt werden. Die naturkundlichen Exkursionen dauern zwei bis drei Stunden. Die Teilnehmenden erwartet eine abwechslungsreiche Rundwanderung im Bözberger Wald. Nach einer theoretischen Einführung, in der die Vielfalt der Pilzarten anhand von Anschauungsmaterial erläutert wird, geht es gemeinsam in den Wald. Bei der leichten Wanderung erfahren die Anwesenden Wissenswertes und Kurioses über die oft unbeachteten Waldbewohner.

Neben ihrem Wissen teilt die Kursleiterin exklusive Kochrezepte sowie praktische Tipps für die fachgerechte Zubereitung und Aufbewahrung von Speisepilzen. Den stimmungsvollen Abschluss bildet ein gemütliches Beisammensein am Lagerfeuer. Da die im Wald gesammelten Pilze nicht vor Ort verzehrt werden, sorgt die Exkursionsleiterin für kulinarische Kostproben wie mit Speck umwickelte Champignons oder hausgemachte Pilzbutter.

Die Herznacherin ist seit vielen Jahren als diplomierte Pilzkontrolleurin im oberen Fricktal tätig und auf das Bestimmen von Pilzen spezialisiert. Ihre Expertise basiert auf einer fundierten Ausbildung und einer anspruchsvollen Prüfung, bei der etwa 70 verschiedene Pilzarten exakt bestimmt und benannt werden müssen. «Ein schöneres Hobby als das ‹Pilzlen› kann ich mir kaum vorstellen», schwärmt sie. «Beim langsamen Schlendern durch den Wald finde ich die beste Erholung.» Mittlerweile kennt sie einen ertragreichen Pilzplatz, wo dieser liegt, bleibt jedoch ihr Geheimnis.