Neues Licht aus dem Schatten
Bözberg: Posthume Ausstellung von Christoph von Mandach

Bözberg: Posthume Ausstellung von Christoph von Mandach
Eine Retrospektive im Haus von Christoph von Mandach zeigt fast 100 Werke des verstorbenen Zahnarztes, Kieferorthopäden und leidenschaftlichen Künstlers.
Für Ursula von Mandach ist es ein überaus emotionaler Moment. «Es ist schlimm», sagt sie auf die Frage, wie es sich anfühle, ihren verstorbenen Mann im gemeinsamen Haus im Dorfkern von Bözberg mit einer posthumen Ausstellung zu würdigen. Vor einem Jahr ist Christoph von Mandach unerwartet im gemeinsamen Ferienhaus in Graubünden gestorben. Nun ringt seine Witwe sichtlich um Fassung, als sie auf die Werke an den Wänden blickt. Rund 100 sind es an der Zahl. «Es gibt keinen Trost», sagt sie leise.
Es fällt ihr schwer, aber die ehemalige Pharmakologin und Professorin der Universität Zürich will ihrem Mann nicht nur als Menschen, sondern auch als Künstler in Erinnerung rufen. Denn Christoph von Mandach selbst sei zeitlebens zu bescheiden gewesen, um seine Gemälde auszustellen. «Er war durch und durch Künstler und hatte sich in der Malerei ausbilden lassen. Dennoch fand er sich nicht gut genug dafür», sagt Ursula von Mandach. Dabei habe ihr Mann von Kind auf ein riesiges Talent für die Malerei gehabt. Zu sehen ist das auf einigen ausgestellten Bildern aus seiner Kindheit, die durch eine kräftige, gekonnte Farbgebung auffallen. «Hier hat Christoph als Kind sein Traumhaus gemalt», erzählt seine Frau, als sie auf ein kleines Bild aus Wasserfarben zeigt. «Es sieht doch aus wie das Haus, in dem wir uns jetzt befinden – Christoph fand also sein Traumhaus, in dem wir 30 Jahre lang zusammen lebten.»
Neben den Bildern zeigt die Retrospektive Plakate mit Informationen zu Christoph von Mandach. Sie greifen die Stationen seines vielseitigen Lebens als Zahnarzt, preisgekrönter Keiferorthopäde und Künstler auf und geben wider, wie umtriebig er neben seinem Beruf stets war – nicht nur als bildender Künstler, sondern zum Beispiel als Tontechniker eines Marionettentheaters, der zudem Figuren modellierte.
Von der Kohle zum Aquarell
Die Ausstellung beginnt im Eingangsbereich des Hauses im Parterre und zieht sich chronologisch bis in den Dachstock. «Zu Beginn zeichnete mein Mann vor allem mit Kohle», sagt Ursula von Mandach anlässlich einer kurzen Führung. Zu sehen sind Zeichnugen aus den 1970er-Jahren, vor allem Motive aus dem Alltag, zum Beispiel ein klobiger Citroën. Es war das Auto seiner Eltern, wie Ursula von Mandach erläutert. Daneben schaut ein Hund aus einem Bild, er war der Boxer der Familie. Auch ein Porträt der Grossmutter hängt an der Wand oder ein liegendes Kalb.
In seiner zweiten Schaffensphase widmete sich Christoph von Mandach vor allem der Aquarellmalerei. Die Motive, meist im stattlichen Wohnzimmer mit grossem Flügel zu sehen, waren nun eher Landschaften – Ausblicke auf Bergwelten oder Wiesen. «Immer wenn wir in den Ferien waren, begann Christoph zu malen», erzählt Ursula von Mandach. So entstanden Ansichten aus dem Tessin, vom Thunersee, aus Graubünden und vor allem aus dem Ferienhaus der Eltern in Grindelwald.
Die Bilder bestechen durch Tiefe und Dreidimensionalität. In vielen Werken sind der Wind und ein bedrohlicher Sturm förmlich zu spüren. «Man sieht die Plastizität und die Kraft der Farben», schwärmt von Mandach. Licht und Schatten habe ihr Mann in seinen Bildern gekonnt einfliessen lassen. Deshalb auch der Name der Ausstellung, «Licht und Schatten», wie seine Frau sagt. «Christoph waren Licht und vor allem der Schatten sehr wichtig. Wenn er hinausging, um zu malen, musste der Schatten perfekt sein.» Von Fotos aus habe er übrigens nie gemalt, nur direkt vor Ort, mit dem Licht und dem Schatten des Moments.
Porträts und Spitzer
Neben den Landschaftsbildern hängen immer wieder Stillleben, zum Beispiel klassische mit Obst und Getränkekaraffen, aber ebenso eines mit einem grossen Spitzer darauf – jenem aus Metall, den man früher am Tischrand befestigen konnte. «Der Spitzer war Christophs Lieblingsinstrument», sagt Ursual von Mandach. «Er konnte nicht sein ohne seinen Spitzer.» Und auch Porträts malte Christoph von Mandach gerne, wie an anderer Stelle der Ausstellung zu sehen ist. Die beiden Söhne als Kinder sind etwa zu sehen, ausserdem bekannte Gesichter wie Dick und Doof.
Ein späteres Werk im obersten Stock zeigt wiederum die Szenerie eines Waldfestes. «Christoph organisierte viele Feste wie dieses in einer Waldhütte in Unterbözberg. Am Fest kam sogar ein Oboenkonzert von Mozart zur Aufführung», erinnert sich Ursula von Mandach. Und im Dachstock begegnet man schliesslich dem letzten Bild ihres Mannes. Er malte es zum Geburtstag seiner Frau vor zwei Jahren – ein Stillleben mit Äpfeln und einem kleinen Elefanten.
Nicht nur Christoph von Mandach war bescheiden, seine Frau ist es ebenso. «Es geht hier nicht um mich, sondern um meinen Mann», sagt sie auf die Frage, warum sie auf dem Foto, das zum Zeitungsartikel erscheinen soll, nicht drauf sein will. Und dann schliesst sich der Kreis: In der hintersten Ecke im grossen Dachstock sind zwei unscheinbare Schwarz-Weiss-Fotos ausgestellt – mit Ursula und Christoph von Mandach als kleine Kinder, lange bevor sie sich kennenlernten und ein gemeinsames Leben begannen.
Samstag, 12. September, Sonntag, 13. September, und Samstag, 19. September, 13 bis 17 UhrDorfstrasse 51, Bözberg