Nachhaltiger Shopping-Dampfer

Brugg: Seit Mitte August befindet sich im Dampfschiff ein Secondhandladen der Caritas, der mit viel Leidenschaft geführt wird.
Seit dem 11. August gibt es im Dampfschiff Brugg einen neuen Secondhandladen. Es ist der grösste Standort der Caritas, die im Kanton nun vier Kleidergeschäfte betreibt. «Ich wollte ihn unbedingt. Ich habe hier getanzt und gefeiert», erzählt Lilian Stammbach, die vom Caritas-Laden in Baden in ihren «Traumladen» gezügelt ist. Eine Woche nach dem Soft Opening folgte der offizielle Teil. Stammbach spricht von einem geglückten Start. Dank einem Zeitungsbericht hätten die Kundinnen und Kunden schnell den neuen Ort gefunden. «Stammkundinnen und -kunden kommen von Baden hierher – wir vermissen einander», so die Leiterin mit einem Lachen.
Nachhaltig für alle
Während viele Innenstädte mit dem Thema Lädelisterben konfrontiert sind und auch Brockenstuben davon nicht ausgenommen sind, investiert die Caritas in das Secondhandgeschäft. «Das Konzept geht einfach auf, und das Thema Nachhaltigkeit bei Kleidung ist sehr aktuell», sagt Stammbach. Neben dem sozialen Aspekt – die Gewinne der Secondhandläden gehen an die Projekte des Hilfswerks – spielt der ökologische Aspekt eine Rolle. «Die Leute sind aufgewacht und fragen sich: Wohin gehen meine Kleider?»
Gespendet wird gern, einer der Gründe, warum man bei der Neueröffnung auf viel Fläche setzt. Was nicht direkt im Laden verwertet werden kann, geht an Asylunterkünfte, die Hilfswerkpartner in Osteuropa oder an Recyclingstellen. 70 Prozent der gespendeten Kleidungsstücke bleiben dabei in der Schweiz. «Es hat auch Sachen, die wir nicht brauchen. Aber die Leute geben sich Mühe bei ihren Spenden», erklärt die 59-Jährige.
Unterwäsche und Socken würde man nicht annehmen – ausser sie seien neu. Und beim Thema Schuhe sei man sehr vorsichtig. BHs dagegen kämen sehr gut an und liessen sich gut waschen. «Es ist vieles neu, was wir bekommen», sagt Stammbach mit Blick auf die Wegwerfmode und die Importkultur der letzten Jahre.
Zudem spürt man den Trend zur Vintage-Mode vor Ort. So suchen bestimmte Kundinnen und Kunden aktiv nach älteren und trendigen Kleidungsstücken, die man im Zweifel wieder selbst weiterverkaufen kann. «Sie kaufen es uns ab, das ist okay», sagt die Leiterin mit Blick auf den guten Zweck. Denn in den Läden der Caritas darf jeder einkaufen. Personen mit Kulturlegi erhalten ausserdem noch auf einmal 30 Prozent Rabatt auf die günstigen Kleidungsstücke. Darüber hinaus lockt der Vintage-Trend ein jüngeres Publikum an.
Zahlreiche Schatzsuchende
Während die günstigsten T-Shirts für 5 Franken über die Ladentheke gehen, gibt es im Geschäft auch einen eigenen Bereich für Markenware. Hier finden sich Hugo Boss, Scotch and Soda oder ganz selten einmal ein Schal von Hermès. Bei einem Originalpreis von 2500 Franken kostet dieser dann sogar bei der Caritas 300 bis 400 Franken. «Es ist schön, dass uns die Kundinnen und Kunden vertrauen. Sie könnten es ja online verkaufen», spricht Stammbach über die Einzelstücke, die sich dann keine zwei Tage im Laden befinden, bevor eine Schnäppchenjägerin zuschlägt.
Ein typischer Verkaufsjob ist die Arbeit im Secondhandladen nicht. Mit ihrem Pensum von 70 Prozent und den 40 Prozent ihrer Kollegin sind sie bei der Arbeit auf die Unterstützung von Freiwilligen angewiesen.
«Viele gehen gern allein auf Schatzsuche. Es ist ein Herunterkommen, es gibt Leute, die über eine Stunde hier sind», beschreibt die Leiterin das Shoppingverhalten der Kundschaft. Der soziale Aspekt spielt ebenfalls eine Rolle. In den ersten Wochen sei eine ältere Kundin jeden Tag gekommen: «Hier hat es kein Selfscanning, hier reden wir noch miteinander.»
Bei der Geschlechterverteilung schätzt die Geschäftsleiterin das Verhältnis von 80 zu 20 zugunsten der Frauen. «Die Herren sind noch nicht so weit – die Jüngeren schon, was mich freut», erklärt Stammbach. Neben dem möglichen Schamgefühl spielt natürlich das Modeinteresse eine Rolle. «Mein Kleiderschrank ist mit den Jahren auch gewachsen. Wir sind, glaube ich, die besten Kunden», meint Stammbach mit einem Lachen. Am Ende würden die Kleider aber wieder zurück in den Kreislauf wandern.
Gewinn am richtigen Ort
Der interne Kreislauf der Caritas-Einrichtungen sorgt dafür, dass im Laden alle fünf Wochen alles neu ist. Was nicht mit Rabatt über die Ladentheke geht, wird weitergeschickt. In Solothurn hat es dafür sogar extra einen Caritas-Laden für Markenkleidung. Ansonsten arbeiten die Läden autonom. Was in Brugg abgegeben wird und von der Qualität überzeugt, steht auch hier zum Verkauf. Der gefragteste Gegenstand derzeit seien Rucksäcke – Wintersachen hat man dagegen genug, wie ein Blick in die Lagerräume im Keller offenbart.
Wer möchte, darf an der Kasse ein bisschen mehr für den guten Zweck bezahlen. Grössere Beträge oder Fundstücke in den Kleidungsstücken werden dabei als Spende erfasst, bei kleineren Beträgen profitiert die Kaffeekasse der Frauen. Im Schnitt werden drei Artikel pro Einkauf mitgenommen.
Mit dem neuen Standort möchte man zunächst die Menschen im Raum Brugg erreichen, bevor man über weitere Expansionen nachdenkt. «Man kann hier etwas beitragen, um die Welt ein klein bisschen besser zu machen. Von unserem Gewinn profitieren Menschen und nicht irgendwelche Manager», sagt Lilian Stammbach über ihren Job.
Secondhandläden der Caritas im Aargau:
Bahnhofstrasse 86, Aarau
Mellingerstrasse 26, Baden
Aarauerstrasse 26, Brugg
Postplatz 16, Wohlen