Jugendliche testen die Arbeitswelt

Schinznach: Premiere für die Berufswahl: Am 20. und 22. Oktober erkunden die Schülerinnen und Schüler der zweiten Oberstufe der Kreisschule Schenkenbergertal über 40 Berufe. Möglich machen das mehr als 20 regionale Gewerbebetriebe an vier Halbtagen.
Was macht ein Automatiker, wie sieht der Alltag einer Elektroplanerin aus, und könnte ein Beruf im Gesundheitswesen wirklich zu mir passen? Die Berufserkundungstage, die erstmals stattfinden, sollen auf solche Fragen präzise Antworten liefern.
Die Idee, Berufserkundungstage an der Oberstufenkreisschule durchzuführen, entstand Anfang des Jahres beim Netzwerkanlass «Schule trifft Wirtschaft». Begeistert vom Erfolgsmodell «Berufe Muri plus», schlug die Initiantin, die Lehrperson Debora Tahan, Verantwortliche Berufserkundungstage «Ksos trifft Berufswelt», das Konzept der Schulleitung vor, die das Projekt zur Stärkung der Nahtstelle zwischen Schule und Lehre umgehend unterstützte.
Praxisnahe Einblicke
Frühere Besichtigungen in Grossgruppen waren oft zu unpersönlich. Um Schülerinnen und Schülern einen ersten vertieften Praxiseinblick zu gewähren, sind Berufserkundungstage die ideale Lösung. Bei Gefallen kann anschliessend eine reguläre Schnupperlehre absolviert werden. «Die bisherigen Berufsbesichtigungen in Grossgruppen im Oktober ersetzen wir damit durch ein persönlicheres Format mit breiterer Berufsauswahl», so Tahan. Die Berufserkundungstage an vier Halbtagen erlauben nun praxisnahe Einblicke im kleinen Rahmen. «Ein Beruf muss praktisch und vertieft erlebt werden, um zu spüren, ob er wirklich passt», betont Tahan.
Ein Grossteil der Lehrstellen wird bereits zu Beginn der dritten Oberstufe vergeben, deshalb müssen die Schülerinnen und Schüler eigentlich bis zu den Frühlingsferien in der zweiten Oberstufe ihre Berufswahl getroffen haben, damit sie Chancen auf eine Lehrstelle in ihrem Wunschberuf haben. «Mit den Erkundungstagen schlagen wir genau zur rechten Zeit im Lehrplan die Brücke zur Praxis.» Dank der grossen Resonanz aus dem Gewerbe lernen die Jugendlichen vier Berufe hautnah kennen. Das ist die ideale Basis und bedeuten erste Kontakte für die im Januar anstehenden Schnuppertage.
Die Suche nach Betrieben beanspruchte etwas Zeit: Wichtig war vor allem die Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Verkehr (ÖV). Dank dem Gewerbeverein Schenkenbergertal, der Berufsberatung und persönlichen Netzwerken stellten über 20 Betriebe mehr als 40 Berufe bereit. Die Betriebe konnten ihr Angebot auf der Homepage ksos-trifft-berufswelt.ch selbst registrieren. «Die Resonanz war gross», so die Organisatorin erfreut. «Sogar bei Absagen erhielten wir oft das Signal, nächstes Jahr dabei zu sein. Das motiviert enorm.»
Starke Teamleistung
Gestartet wurde im März mit den Vorbereitungen. Die Hauptorganisation lag zwar in einer Hand, war aber eine echte Teamleistung: Die Profilgruppe, bestehend aus den Schulleitern Andreas Müller und Raphael Süess sowie den Lehrpersonen Aron Schär, Nadja Levson, Karin Petermann und Christa Jäggi, unterstützte bei Konzeption und Technik, während die Klassenlehrpersonen Chiara Gerhard, Amine Arezki, Georg Gindely, Aron Schär, Nadja Levson und Adrian Dürrwang den Anmeldeprozess begleiteten und die Jugendlichen auf Anreise und Verhaltensregeln vorbereiteten.
Mitmachen durfte jeder Betrieb: vom KMU bis zum Grossunternehmen. «Wir konnten die unterschiedlichsten Betriebe gewinnen. Das schätze ich sehr und bin dankbar. Auch auf die Unterstützung des Gewerbevereins konnten wir zählen» so Tahan. Wie ein Halbtag aussieht, gestalten die Betriebe selbst, idealerweise mit praktischem Anpacken. Aus einer Auswahl von sechs Wünschen teilte eine Software jedem Jugendlichen vier Erkundungen zu. «Dass wirklich alle vier Erkundungen zugeteilt werden konnten, ist bei dieser Erstdurchführung keineswegs selbstverständlich», sagt Tahan.
Vor der Premiere mischt sich unter die Vorfreude auch Lampenfieber: Bei so vielen Beteiligten kann vieles schiefgehen, deshalb hofft die Organisatorin auf einen reibungslosen Ablauf und motivierte Jugendliche. «Ich freue mich über jede Erkundung und hoffe sehr auf eine positive Erfahrung für die Betriebe und die Jugendlichen», betont sie. Ein Apéro sowie Umfragen bei Betrieben und Jugendlichen sollen Feedback für die Zukunft liefern. Die Anreise organisieren die Schülerinnen und Schüler selbstständig vor Ort. Einzig das Netzwerk Login präsentiert ausgewählte ÖV-Berufe direkt im Schulhaus.